KOMMENTAR: GENDER PAY GAP IM FUSSBALL: ENDLICH GLEICHSTAND! (Johannes Kopp, taz.de, 09.10.2017)

Der Deutsche Fußball-Bund sollte Norwegens Beispiel folgen: gleicher Lohn für Männer und Frauen. Doch das bleibt ein heikles Thema.

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Über den Unwillen des DFBs Position zu beziehen – a never ending story

Ach Aserbaidschan, du wunderbar wahnsinniges Land. In dem auch mal Tauben mit Bändern in Landesfarben an den Füßen in die Luft geworfen werden, um den eigenen Nationalstolz fehlgeleitet zu demonstrieren und zu zelebrieren. Traurige Wahrheit und symbolisch treffend ist, wenn die Taube dann darauf aber keinen Bock hat und schneller aus dem Stadion fliegt als wir Pieps sagen können. Weiterlesen

Super Bowl LI – aka das Rahmenprogramm um den Auftritt von Lady Gaga

Heute Nacht fand Super Bowl Nr. 51 in Houston / Texas statt. Manche bezeichnen es als das größte und wichtigste Sportevent der Welt. Wieder andere verstehen den Trubel um diese vermeintlich verwirrende Version (yeah! Alliterationen) von Rugby so gar nicht. Ich liege mit meiner Meinung irgendwo dazwischen.

Es spielten die New England Patriots gegen die Atlanta Falcons. Aha. Nun gut, da ich die Liga noch nicht mal ansatzweise verfolge, kann ich dazu kein Statement abgeben. Dass Lady Gaga die berüchtigte Halbzeitshow bestritten hat, da kann ich viel mehr anfangen ! Und wahrscheinlich auch die qualifizierteren Statements zu geben 😉

Die Patriots um Star-Quarterback Tom Brady haben also gewonnen. Was vor dem Spiel noch nicht allzu verwunderlich gewesen wäre, hat sich während des Spiels als spektakuläre Aufholjagd herausgestellt. Inklusive der ersten Verlängerung, die ein Super Bowl jemals gesehen hat (ich schreibe mit Absicht nicht ‘die ich je gesehen habe’ denn ich war zwar noch wach, aber nicht mehr wirklich aufnahmefähig). Der Teil den ich richtig mitbekommen habe (3 von 4 Vierteln), hat mich allerdings wieder einmal begeistert ! Weniger allerdings die Blaupausen, die ich in den Werbeblöcken genießen durfte. Anscheinend hatten sich nur Corny Müsliriegel als Werbepartner in die RanApp eingekauft, der Rest wurde mit einem blauen Pausenbild gestaltet.

Bekannt dürfte Tom Brady außerhalb der USA und abseits der Football Szene vor allem sein, da er mit Gisele Bündchen verheiratet ist. Auch mal ein netter Perspektivwechsel. Da sonst auch Olympiasiegerinnen von den Medien gerne mal als ‘Frau von xy’ betitelt werden, anstatt einfach ihren Namen zu nennen. Dass Herr Brady des Weiteren anscheinend ein langjähriger Freund von Herrn Trump ist und ihn in seiner politischen Karriere unterstützt, lasse ich fürs erste unkommentiert so stehen.

Warum Menschen mit American Football nicht allzu viel anfangen können, liegt – wie immer – vermutlich am schlichten nicht verstehen der Regeln. Diese scheinen auf den ersten Blick absurd und die ganzen Werbepausen – vor allem beim Super Bowl – wirken wie unnötige Verlängerungen der Spielzeit. Habe ich alle Regeln verstanden und weiß was wann warum passiert ? Nö; ist mir aber auch nicht unglaublich wichtig. Außerdem versteht man wenn man ein Spiel schaut praktisch mit jeder Minute mehr. Und wenn die Kommentatoren (ja, Männer, immer. Ein Beispiel) ein bisschen kompetent sind, lernt man von ihnen auch noch was dazu. Dazu muss man aber gerade beim Super Bowl natürlich willens sein bis in die frühen Morgenstunden wach zu bleiben – ich habe irgendwann nach 4:30 geschlafen. Garantiert ist die Zeitverschiebung mit ein Grund, warum der Sport außerhalb der USA nicht so beliebt ist und es an treuen Fangemeinden mangelt.

Und doch habe ich – vor allem in meiner Facebook-Timeline – seit ein paar Jahren beobachtet, dass es immer mehr Menschen auch in Deutschland und Europa gibt, die sich für American Football begeistern. Fun Fact: die meisten Jungs sind dabei aus der Kleinstadt in der ich aufgewachsen bin. Vielleicht sind dies aber auch einfach die, die bei FB darüber posten und die FB mir zeigt.

Ein Beweis für diese Begeisterung und den damit entstehenden Markt, sind die seit 2007 in England stattfindenden Ligaspiele im Rahmen der so genannten International Series Games. Und obwohl es gerne kritisiert wird, dass europäische Fußballvereine in der Ligapause im Sommer, durch die USA oder Asien reisen, wird das Angebot der NFL natürlich gerne angenommen. Die berechtigten Kritiken, dass die Fußballspieler so nie zur Ruhe kommen und ihren Körpern eine wichtige Pause geben können, scheint wenn man selbst Fan ist und endlich ein Spiel live im Stadion verfolgen kann, leicht vergessen. Und das obwohl diese Spiele im laufenden Ligabetrieb stattfinden. Der physische Aufwand ist groß und der Jetlag der sportlichen Leistung bestimmt nicht zuträglich. Für 2017 sind in London übrigens schon die nächsten vier Spiele geplant. Der rein kapitalistische Hintergrund muss denke ich – sowohl beim Fußball als auch beim Football – nicht extra betont werden.

So wurde dann gestern während des Spiels auch immer der Social Media – Beauftragte rangeholt, der dann vermeintlich lustige Tweets von deutschen Fans aber auch internationalen Celebrities zum Besten geben durfte. Mit seiner kleinen Fliege um den Hals sah er dabei auch sehr apart aus. Ich war ja großer Fan vom Umgangston der Kommentatoren untereinander. Herr Buschmann hat zu späterer Stunde anstatt von cojones auch angefangen von Eiern zu reden und Aussagen wie “Das ist mir scheißegal” liefen auch kritiklos über den Äther. Man merkte, dass alle großen Spaß an dem Sport haben und mit ganzem Herzen dabei waren. So wurde sich auch immer wieder über den bestimmt kommenden Internet-Hate lustig gemacht und untereinander gewitzelt wer wohl am schlechtesten wegkommen würde.

Um das Ganze dann hier zu beenden, noch eine kurze Review der Halbzeitshow. Mir war ja von vornherein klar, dass Gaga eine Megashow liefern würde. Geht ja gar nicht anders. Da ich ihr natürlich auch auf diversen Social Media – Kanälen folge, habe ich gesehen wie gehypt sie selber für die Show war und wieviel Spaß ihr das Ganze machte. Das Kommentatorenteam und bestimmt auch viele Menschen weltweit, waren gespannt ob und wie Gaga eine politische Botschaft in ihren Auftritt einbauen würde. Hat sie gemacht. Die Art und Weise fand ich durchaus gelungen. Hätte es mehr sein können – klar. Aber so war es gut. Im Oktober kommt sie übrigens für ein Konzert nach Berlin – in die schreckliche Mercedes Benz-Arena bei mir um die Ecke. Ich fange schon mal an zu sparen 😉

Entsprechend will ich das Ganze auch mit Gaga beenden. Wobei Barbara und Bush Sr auch ein netter Einspieler wären. Aber nöö, stattdessen schaut euch Gaga an und wie sie ihre Eltern grüßt.

Caro ❤

Sportler*innen auf der Flucht – zum Tod der gambischen Nationaltorhüterin Fatim Jawara

Fatim Jawara, 2016

Ihr Schicksal wurde publik, als ihr Name im Aufgebot des gambischen Nationalteams beim Freundschaftsspiels gegen die senegalesischen Club Casa Sports nicht auftauchte. Fatim Jawara, 19 Jahre, galt als eine der größten Hoffnungen des gambischen Fussballs. Mit Jawara als Torfrau hatte sich das kleine, westafrikanische Land mit der Qualifikation für die Endrunde der 2012 in Aserbaidschan ausgetragenen U17-WM auf die Landkarte des internationalen Frauenfussballs gesetzt. Drei Jahre später, im November 2015, debütierte sie in der A-Auswahl Gambias. Anfang November 2016 bestätigte Jawaras Familie: Fatim Jawara ertrank am 27. Oktober 2016 bei der Flucht nach Europa im Mittelmeer zwischen Libyen und Lampedusa.

Die 19-jährige Torfrau des Red Scorpions FC hatte nach einer wochenlangen Reise durch die Sahara in Libyen ein Boot bestiegen, das sie gemeinsam mit anderen Flüchtenden nach Italien bringen sollte. Das Boot kenterte ebenso wie ein zweites Schiff, mindestens 239 Menschen kamen dabei ums Leben. Nach Angaben der Familie, sei ihre Flucht von ihrem Manager finanziert worden, der auf eine Karriere in einer der europäischen Ligen gehofft habe. Ihren Teamkolleginnen des in Serekunda, einem Vorort der Hauptstadt Banjul beheimateten Clubs, hatte Jawara ihren Trainingsausfall mit einer 2-wöchigen Kurzzeit-Verpflichtung eines Clubs aus Dakar (Senegal) erklärt. Kurzzeitverträge sind im senegalesischen Fussball nicht unüblich und erregten daher bei ihren Mitspielerinnen keinen Verdacht.

Weniger als eine Woche nach dem Tod Jawaras, starb auch der in Gambia sehr populäre Ringer Ali Mbengu bei dem Versuch das italienische Festland zu erreichen. Die tragischen Tode der beiden jungen Sportler*innen löste in der Öffentlichkeit Diskussionen über das Schicksal einer ganzen Generation und des damit verbundenen Spitzensports in Gambia aus. Besonders deutlich lassen sich die Probleme an den Fussballnationalteams ablesen. Während sich die Jugendauswahlen regelmäßig für internationale Turniere qualifizieren, schafften die A-Teams der Männer und Frauen noch nie den Sprung in eine Endrunde. In der Qualifikation zum Afrika Cup 2017 wurde das Männerteam abgeschlagen letzter seiner Gruppe. Eine Erklärung für die stark auseinandergehenden Erfolge der Jugendteams und der A-Mannschaften liefert der gambische Fussballverband. In der Hoffnung auf eine Perspektive in Europa, verließen in den letzten Jahren mehr als 70 Prozent der Spieler*innen ihre inländischen Vereine. Um den Spielbetrieb in den nationalen Wettbewerben aufrecht erhalten zu können, mussten viele Teams Amateur-Kicker*innen rekrutieren. Die Qualität der First Division und Second Division nahm kontinuierlich ab. Der ehemalige Spitzenclub Banjul United verlor innerhalb von zwei Jahren 25 Spieler seines Kaders. Nach gewonnener Meisterschaft im Jahr 2014 folgte der direkte Abstieg in die Zweitklassigkeit. Das Trainingsgelände des Vereins grenzt an einen von Fluchthelfer*innen stark frequentierten Busbahnhof.

In den europäischen Ligen stößt diese Entwicklung auf großes Interesse. Mehrere Teams aus Italien und Spanien kontaktierten den Gambischen Verband, um Informationen über sich in Europa aufhaltende Akteur*innen zu erhalten. Transferzahlungen an die Heimatvereine in Gambia werden dabei häufig durch Nachweis von Fehlern in Verträgen oder Registrierungen umgangen. Eine kürzlich in Polen erhobene Studie zeigte, dass viele afrikanische Spieler*innen finanziell äußerst schlechte Verträge in europäischen Ligen erhalten. Dies nehmen sie aber häufig in Kauf, da ein Festvertrag die Aufenthaltserlaubnis nach Auslaufen der Duldung sichert.

Echte Erfolgsgeschichten sind selten. Weltweite Aufmerksamkeit erregte der junge Geflüchtete Bakery Jatta. Jatta, der in Gambia keinen Vereinsfussball gespielt hatte, war von seiner Jugendhilfe-Einrichtung ein Probetraining bei der A-Jugend von Werder Bremen vermittelt worden. Im Juni 2016 nahm der Hamburger SV den 18-jährigen Gambianer unter Vertrag. Auf eine solche Chance hatte wohl auch Fatim Jawara gehofft, als sich auf den gefährlichen, „Back Way“ genannten Weg durch die Sahara und über das Mittelmeer mit Ziel Europa gemacht hatte. Für Ebou Faye, Vizepräsident der Gambia Football Association (GFA), steht Fatim exemplarisch für viele junge Fussballer*innen: „Wie die meisten Gambianer stammt sie aus armen Verhältnissen. Jeder kennt die Stars, die Millionen bei den europäischen Clubs verdienen. Diese jungen Leute wollen ihre Familien versorgen und so wollte es auch Fatim. Deswegen riskieren sie den back way. Manche überleben ihn. Fatim nicht und das ist eine Tragödie und ein großer Verlust für den gambischen Fussball.“

Fatim Jawara ist einer von über 4000 Menschen, der im Jahr 2016 bei dem Versuch über das Mittelmeer nach Europa zu kommen, ihr Leben verlor.

 

Hintergrund: Gambia – die Flucht und ihre Gründe

Nach Informationen der International Organization for Migration stammt die fünftgrößte Gruppe der über das Mittelmeer nach Italien Flüchtenden aus Gambia, das mit rund 1,8 Millionen Einwohner*innen eines der kleinsten Länder des afrikanischen Kontinents ist. Aus keinem anderen Land fliehen im Verhältnis zur Bevölkerung mehr Menschen in Richtung Europa. Mehr als 4,3 Prozent der Gambianer*innen leben außerhalb des Landes. Gambia verzeichnet die zweithöchste Arbeitslosenquote des Kontinents, 60 Prozent der Bevölkerung leben von weniger als 1,25 US Dollar pro Tag. Nach einem Militärputsch 1994 regierte der in den Vereinigten Staaten militärisch ausgebildete Yahya Jammeh das Land 22 Jahre autokratisch. Menschenrechtsorganisationen werfen dem ehemaligen Staatspräsidenten zahlreiche Repressionen gegen Oppositionelle, Journalist*innen und Homosexuellen vor: von Einschüchterungen, über Arbeitsverbote bis hinzu Inhaftierungen, Folter und Hinrichtungen. Anfang Dezember 2017 unterlag Jammeh in einer demokratischen Wahl dem Oppositionellen Adama Barrow, weigerte sich aber seine Niederlage anzuerkennen. Erst unter Drohung einer militärischen Intervention des Senegal erklärte Jammeh seinen Rückzug und floh vor juristischer Verfolgung ins Exil. Diese wirtschaftlich und politisch lebensbedrohliche Situation veranlasst vor allem junge Gambianer*innen den gefährlichen Weg durch die Sahara und über das Mittelmeer zu wagen.

Was ist eigentlich Roller Derby ?!

Roller Derby ist ein in Deutschland und vielleicht ganz Europa leider immer noch recht unbekannter Sport. Es ist ein Sport, der – wenn man gängigen Vorurteilen Glauben schenken möchte – nicht gerade „typisch weiblich“ ist. Und doch wird sie nur von Frauen ausgeführt – Männer sind lediglich Beiwerk und höchstens als Schiedsrichter, Kommentatoren oder DJs eingesetzt.

Aber worum geht es genau? Im Roller Derby stehen sich zwei Mannschaften auf einer Rundstrecke gegenüber und versuchen beim stetigen im Kreis fahren durch überrunden die meisten Punkte zu erlangen. Die Punkte kann aber immer nur eine Fahrerin erzielen – die sogenannte Jammerin. Um das zu verhindern gibt es in der gegnerischen Mannschaft die Blockerinnen. Diese versuchen durch gezieltes Rempeln die Jammerin am Überrunden zu hindern und somit keine Punkte zu sammeln. Da die Fahrerinnen auf ihren Rollschuhen natürlich nicht im Tempo unserer Großeltern auf der Bahn fahren, sind Stürze ganz normal.

Hier ein Video aus Schweden um euch einen ersten Einblick in den Sport zu geben

 

Der in Berlin bekannteste Verein sind die Bear City Rollers. Seit 2008 betreiben sie den Sport organisiert und sind dabei national wie international sehr erfolgreich. In Deutschland wird der Sport momentan in drei Bundesligen gespielt. In der 1. & 2. Liga treten diese Saison jeweils sieben Teams an; in der 3. Liga fünf Mannschaften.

Was mich an dieser Sportart so fasziniert ist nicht nur der Sport an sich, sondern die Organisation und alles was zu einer erfolgreichen Ausführung des Sports dazu gehört. Den Sportlerinnen ist es wichtig, dass alles in Eigenregie organisiert wird. Dazu gehören nicht nur die jeweiligen einzelnen Wettkämpfe, sondern auch die verschiedenen Ligen und internationale Turniere. Merchandise, Versorgung bei den Spielen etc. gehören selbstredend auch dazu. Durch diese flachen Hierarchien ist es allen Frauen möglich sich soviel und soweit einzubringen wie sie möchten.

Eine Möglichkeit ist die an diesem Wochenende stattfindenden European Roller Derby Organizational Conference (EROC). Hauptaspekt dieser Konferenz ist es sich untereinander auszutauschen und Themen sind z.B. die optimale Organisation und Durchführung einer Liga oder die Optimierung der mentalen Fähigkeiten vor Wettkämpfen. Aber auch Themen wie physische Fitness oder die Gestaltung abwechslungsreicher Trainingseinheiten stehen auf dem Programm.

Hauptsponsor ist logischer Weise ein Unternehmen, welches sich vollends dem Sport hingibt: der Quad Roller Skate Shop. Dies ist ein kleinerer Laden in Berlin-Neukölln, der sich auf Roller Derby und alles was dafür an Material gebraucht wird, spezialisiert hat. Damit ist er – nach eigener Aussage – der einzige physische Laden in Europa dieser Art. Betrieben wird er selbstverständlich von zwei Sportler*innen der Bear City Rollers. Somit bleibt auch die Ausstattung und Beratung in Frauenhand.

Falls ihr euch nun fragt warum ich das Ganze nicht auch schon mal ausprobiert habe – keine Ahnung. Irgendwie ist es noch nie soweit gekommen oder ich habe die Probetrainings immer knapp verpasst. Vielleicht wird es doch Zeit, dass ich mich für den Newsletter anmelde …

Baku als Sportstadt

Im Land des Feuers hat die Begeisterung für internationale Großturniere um sich gegriffen. Als erstes wohl nennenswert war die Ausführung der 1. European Games – einem vermeintlich europäischen Äquivalent zu anderen kontinentalen Spielen. Wie von den olympischen Spielen bekannt, sollten sich hier Europas beste Sportler*innen in verschiedenen, insgesamt 31 Disziplinen aneinander messen.

Denkt man als eine Frau, die im Norden Deutschlands aufgewachsen ist, an ideale Sportstätten und Städte in denen es sich anbietet sportliche Großevents zu organisieren, kommt nicht unbedingt sofort Baku / Aserbaidschan in den Sinn.
Eine Stadt in der es im Sommer mehr als 40°C heiß wird, und dank des Kaspischen Meeres eine ständige steife Brise weht, die Sand immer während durch die Straßen fegt.

Und trotzdem fanden die 1. European Games im heißen Juni 2015 in Baku statt. Zufall? Mitnichten. Zugegeben, Turniere und Spiele dieser Art haben ja nun schon rund um den Globus stattgefunden, und die Bedingungen sind nie für alle Teilnehmenden ideal. Da ich vor Ort aber auch schon ohne Hochleistungssport gelitten habe, ist mir das Verständnis fast gänzlich abhanden gekommen. Mir reichte es beim Triathlon der Damen stundenlang in der Sonne zu stehen und praktisch alle 30min eine neue Schicht Sonnencreme LSF 50 aufzutragen.

Zurück zum eigentlichen Thema: Initiiert war das ganze Geschehen von der Family Aliyev themselves – der seit 1993 herrschenden Präsidentenfamilie. Nachdem sein Vater Heydar im Jahr 2003 starb, übernahm der immer noch regierende Ilham Aliyev das Präsidentenamt.

Zur Eröffnung der Spiele kamen dann auch demokratische Hochkaräter Wladimir Putin und Gurbanguly Berdimuhamedov – Präsident Turkmenistans. Vertreter*innen aus Mitgliedsstaaten der EU sind allesamt zu Hause geblieben (ich hingegen kann sagen, dass ich mit Putin, Aliyev und Lady Gaga in einem Stadion war!).

Seit den European Games versucht Baku sich weiter als idealer Veranstaltungsort zu etablieren. So fand 2016 das erste Mal ein Formel 1 – Grand Prix statt. Dieses Jahr folgen die Islamischen Solidaritätsspiele.

Zugegeben, durch die European Games wurde eine gewisse nötige Infrastruktur geschaffen. Nicht unbedingt für die Bewohner*innen Bakus wichtig, aber um weitere Großereignisse stattfinden zu lassen.

Was versucht die aserbaidschanische Machtelite mit dem Organisieren dieser Großevents? Zum einen wird natürlich erstmal ein Licht auf Aserbaidschan geworfen – ein immer noch eher unbekanntes postsowjetisches Land, zwischen Russland und dem Iran. Durch den Sport wird sich außerdem erhofft, mehr Tourist*innen ins Land zu holen. Dies lässt sich auch an den neuesten Vereinfachungen im Visaverfahren erkennen.

Des Weiteren geht es Aserbaidschan natürlich aber auch darum, das Image im Ausland zu verbessern. Denn Menschen, die um Aserbaidschan, seine Geschichte und heutige Politik wissen, sind sich bewusst wie schlecht es um das Land und die Freiheit seiner Bewohner*innen steht. Ilham Aliyev versucht sein Land immer autokrater zu gestalten. So gibt es mittlerweile ein Gesetz welches mit Verfolgung droht, sollte man den Präsidenten im Internet diffamieren. Dies lässt sich durch positive Assoziationen, wie die erfolgreiche Organisation und Durchführung von sportlichen Großevents vergessen machen – aber wer weiß wie lange dieser Schachzug nachhalten wird.